Auf der Pühringerhütte im Toten Gebirge – mitten im steirischen Salzkammergut – landet der Nachschub alle drei bis vier Wochen per Hubschrauber. Hüttenwirtin Susanne Kern über 800 Kilo am Tau, volle Rucksäcke und das Leben auf 1.638 Metern.
Das Ganze ist schon ein kleines Abenteuer. Wir sind rund vier Gehstunden vom Tal entfernt und haben keine Materialseilbahn. Deshalb sind wir auf den Hubschrauber angewiesen und werden ungefähr alle drei bis vier Wochen beliefert – je nachdem, was das Wetter zulässt. Die Lieferung kommt möglichst kurz vor dem Flug am Hubschrauberlandeplatz an, wird dort in Big Bags umgepackt und dann am Tau zur Hütte geflogen. In einen Big Bag passen bis zu 800 Kilo. Gerade bei gekühlten Lebensmitteln ist alles ziemlich genau getaktet, damit die Kühlkette möglichst eingehalten wird. Wenn sich der Flug verspätet, werden manche Sachen unten noch einmal zwischengekühlt.
Genau das ist die Herausforderung. Wir müssen ungefähr abschätzen, wie viele Gäste in den nächsten Wochen kommen und was wir dafür brauchen. Gleichzeitig sind wir vom Wetter abhängig – nicht nur beim Hubschrauberflug, sondern auch bei den Gästezahlen. Gerade im August kann in einer Woche sehr viel los sein und in der nächsten wegen Regen deutlich weniger. Deshalb sind wir sehr froh, dass Eurogast so flexibel ist und die Lieferungen zeitlich entsprechend abstimmt.
Dann ist etwas eben aus. Was wir wirklich dringend brauchen, wird notfalls zu Fuß hinaufgetragen. Wir können zwar ein Stück hinauffahren, aber danach sind es für uns immer noch ungefähr zweieinhalb Stunden zu Fuß – je nachdem, wie schwer man trägt, auch länger. Das kommt schon regelmäßig vor, meistens kurz vor der nächsten Hubschrauberversorgung, wenn die ersten Sachen knapp werden. Da darf dann jeder einmal gehen.
Wir bestellen auf einmal sehr viel und dafür dann mehrere Wochen gar nichts. Gleichzeitig versuchen wir, möglichst viele Lebensmittel zu verwenden, die durch Wasser erst mehr werden, statt das Wasser schon mit hinaufzufliegen. Bei Hülsenfrüchten nehmen wir zum Beispiel die trockene Rohware statt fertiger Produkte in der Dose und weichen sie oben selbst ein. Generell haben wir viele trockene Lebensmittel, kaum Tiefkühlprodukte und auch bei gekühlten Produkten sind unsere Möglichkeiten begrenzt. Wir haben keinen Kühlraum wie im Tal, sondern lediglich zwei Kühlschränke und drei Gefriertruhen.
Mehl. Davon brauchen wir sehr viel, weil wir unser Brot selbst backen. Die Mengen überraschen uns selbst immer wieder. Insgesamt muss man sehr genau überlegen, was man für die nächsten Wochen braucht. Einfach schnell nachbestellen funktioniert bei uns eben nicht.
Natürlich stoßen wir an Grenzen. Wir sind sehr dankbar, dass Eurogast uns da entgegenkommt und für uns immer mehr Bio-Lebensmittel bezieht. Gerade wenn man große Mengen auf einmal braucht, ist das nicht immer einfach. Wenn der Flug am Montag ist und wir am Sonntag erfahren, dass ein Bio-Produkt nicht verfügbar ist, können wir nicht einfach ausweichen. Dann müssen wir es im Zweifel konventionell beziehen. Aber ich glaube, gerade bei Nachhaltigkeit muss man nicht von Anfang an alles perfekt machen. Wichtig ist, dass man dranbleibt. Wenn alle Beteiligten das tun, wird es jedes Jahr ein bisschen besser.
Wir haben nepalesische Mitarbeitende, und so sind auch die sogenannten Momos, nepalesische Teigtaschen, auf unsere Speisekarte gekommen. Bei den Gästen kommen sie richtig gut an – manchmal fast besser als die österreichische Küche. Gefüllt werden sie entweder mit Bio-Kartoffeln und Gemüse oder mit Bio-Rindfleisch. Wenn es gerade keine Momos gibt, sind manche Gäste richtig enttäuscht. Und zum Teil haben wir auch Gamsfleisch von Jägern, die bei uns unterwegs sind.
Wir liegen direkt beim Elmsee, vor uns der Salzofen, hinter der Hütte das Rotgeschirr – die beiden Berge sind ein bisschen wie unsere Wächter. Rundherum ist das Tote Gebirge sehr karg und felsig, bei uns aber wird es plötzlich richtig grün. Viele Gäste sind da überrascht, wenn sie nach Stunden zwischen Steinen und Felsen zu uns kommen, denn es wirkt schon ein bisschen wie eine kleine Oase. Und der Elmsee ist natürlich auch sehr beliebt zum Baden.
Ich schätze vor allem die Nähe zur Natur. In den vier Monaten hier erleben wir gefühlt vier Jahreszeiten, und es ist wunderschön zu beobachten, wie sich alles verändert. Besonders sind auch die Begegnungen mit den Gästen. Die meisten waren schon einige Stunden unterwegs, sind also ein Stück weit aus dem Alltag draußen – und dadurch entstehen oft sehr schöne Gespräche. Wir haben hier keinen Handyempfang und es wird auch erstaunlich selten nach WLAN gefragt. Eher im Gegenteil: Viele schätzen es, einmal nicht erreichbar zu sein. Statt aufs Handy schaut man bei uns eben auf den Elmsee. Und ich glaube, genau das tut vielen gut.
Vielen Dank für das Gespräch.
Auf 1.638 Metern liegt die Pühringerhütte mitten im Toten Gebirge in der Steiermark, unweit des Elmsees. Wer hinaufwill, muss zu Fuß gehen: Vom Schachen am Grundlsee dauert der Zustieg rund dreieinhalb, vom Almsee rund vier Stunden. Die Hütte gehört zur Sektion Wels des Österreichischen Alpenvereins und bietet 62 Schlafplätze. Bewirtschaftet wird sie von Susanne Kern und Klaus Dieterstorfer von Ende Mai bis Ende September.
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