Das Buchsteinhaus im Nationalpark Gesäuse in der Steiermark bekommt seine Waren mit der Materialseilbahn geliefert. Für Hüttenwirt Manuel Demmel ist diese außergewöhnliche Logistik längst Alltag, ebenso wie die Arbeit auf 1.571 Metern.
Über dem Gstatterboden in Weng im Gesäuse schlängelt sich ein LKW den Berg hinauf. An der Talstation der Materialseilbahn werden die Lebensmittel, Getränke und alles, was sonst noch auf der Schutzhütte gebraucht wird, sorgsam in den Transportkorb geladen. Gleich darauf klingelt das Handy bei Hüttenwirt Manuel Demmel – das Signal, dass sich die Ladung auf den rund einen Kilometer langen Weg bergauf machen kann. Zehn Minuten später trifft die Lieferung am Buchsteinhaus ein. „Der Korb ist etwa einen auf eineinhalb Meter groß und kann maximal 250 Kilogramm transportieren. Deshalb muss gut geplant und richtig geschlichtet werden“, erklärt Demmel. Bis zur Talstation führt ein Fahrweg, die letzten Höhenmeter übernimmt die Materialseilbahn. Sie wurde 2007 errichtet und ist seit dem Neubau der Hütte im Jahr 2010 nicht mehr wegzudenken. Früher wurden die Waren noch mit einem motorisierten Gefährt über 21 Serpentinen transportiert.
„Jeder weiß, was zu tun ist. Bei uns hilft jeder überall mit, egal ob in der Küche oder im Service.“
Manuel Demmel, Hüttenwirt
Das Buchsteinhaus wurde 1924 errichtet, 2010 komplett erneuert und gehört zu den bekanntesten Schutzhütten im steirischen Gesäuse. Betreiber sind seit 2021 die Naturfreunde Bad Ischl mit Hüttenwirt Manuel Demmel. Der 33-Jährige schätzt besonders die Atmosphäre am Berg: „Das Publikum ist hier oben einfach anders. Die Menschen sind entspannter als im Tal.“ Von Mai bis Oktober geöffnet, bietet das Buchsteinhaus 50 Schlafplätze und ist ein beliebter Ausgangspunkt für Bergtouren. Neben familienfreundlichen Wanderwegen führen auch anspruchsvollere Zustiege zur Hütte, im Gebiet finden sich zudem ein Klettersteig sowie 22 Mehrseillängenrouten. Viele Gäste bleiben deshalb über Nacht. „Wir sind während der Saison eigentlich durchgehend gut ausgelastet“, so Demmel.
In der Küche stehen Regionalität und Saisonalität im Mittelpunkt. Die Speisekarte wird zwei- bis dreimal pro Saison angepasst und umfasst Hüttenklassiker wie Gröstl, Kaspressknödel und Kasspatzln. Als Teil der veganen Hüttenrunde im Gesäuse bietet das Buchsteinhaus aber auch rein pflanzliche Speisen an. „Das wird von unseren Gästen wirklich sehr gut angenommen“, betont der Hüttenwirt. Damit die Versorgung trotz der besonderen Logistik reibungslos funktioniert, liefert Eurogast Liezen ein- bis zweimal pro Woche frische Lebensmittel direkt zur Talstation – abgestimmt auf die Anforderungen des Hüttenbetriebs.
Vier Mitarbeiter – heuer erstmals ein reines Männerteam – sowie Praktikant:innen sorgen während der Saison dafür, dass Küche, Service und Hüttenbetrieb laufen. Starre Abteilungsgrenzen gibt es nicht. „Jeder weiß, was zu tun ist. Bei uns hilft jeder überall mit, egal ob in der Küche oder im Service.“ Die Arbeit ist abwechslungsreich, aber intensiv. Das Team lebt und arbeitet rund um die Uhr am Berg. Umso wichtiger sind regelmäßige Auszeiten im Tal. „Wir versuchen, jedem zwei freie Tage pro Woche zu ermöglichen. Man ist hier oben 24 Stunden miteinander unterwegs – da braucht man das.“
Auf der Sonnenterrasse mit 100 Sitzplätzen eröffnet sich der Blick über die Bergwelt des Gesäuses. Mit etwas Glück lassen sich Gämsen direkt neben der Hütte beobachten. Weitere 50 Sitzplätze stehen in den beiden Gaststuben zur Verfügung. Für Manuel Demmel macht genau diese besondere Atmosphäre den Unterschied: „Oben läuft vieles entschleunigter. Das schätzen auch unsere Gäste.“ Während sie ihre Rast genießen, wird im Tal schon die nächste Lieferung vorbereitet. Denn damit auf 1.571 Metern Woche für Woche alles problemlos funktioniert, braucht es eine besondere Logistik und viel Leidenschaft für das Leben am Berg.
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