Mit 15 stand Alexander Ellmer als Ferialjobber an der Eistheke, mit 18 übernahm er das Café City Lounge in Radstadt – mitten in der Maturazeit und mit eigenem Geld. Im Interview erzählt der junge Gastronom, wie aus einem Sommerjob ein Lebensplan wurde.
Meine Eltern und ich waren damals selbst Gäste im Café. Dabei ist uns aufgefallen, dass die Kellner ständig zur Eisstation laufen mussten, sobald jemand ein Tüteneis bestellte. Also haben wir den damaligen Chef gefragt, ob er für die neun Wochen Sommerferien jemanden brauchen könnte, der diese Aufgabe übernimmt und nebenbei auch andere Dinge erledigt – ein bisschen putzen, Salz- und Pfefferstreuer auffüllen und so weiter. Er fand die Idee super.
Nein. Nach den Ferien habe ich zunächst samstags im Café weitergearbeitet, später samstags und sonntags und schließlich auch unter der Woche. Die Kolleg:innen und der Chef haben mir nach und nach mehr Verantwortung übertragen und mich vieles ausprobieren lassen. Das hat mir gefallen, und mir wurde klar: So etwas möchte ich irgendwann selbst machen und auch selbst bestimmen, wie alles läuft.
Mein damaliger Chef hat mich immer wieder gefragt, was ich nach der Schule vorhabe. Irgendwann wollte ich von ihm wissen, welche Pläne er mit dem Café hat. Da erzählte er mir, dass sein Pachtvertrag im Mai ausläuft – also genau dann, wenn ich mit der Schule fertig bin – und fragte, ob ich übernehmen möchte. Meine Antwort kam praktisch sofort: Von mir aus morgen. Danach haben wir mit meinen Eltern gesprochen, einen Steuerberater hinzugezogen und alles genau durchgerechnet. Zwei Tage später habe ich zugesagt.
In der HAK hatte ich nur vormittags Unterricht. Um zwei Uhr war ich im Café und arbeitete bis sechs, sonntags den ganzen Tag. Samstags war ich zusätzlich auf der Skihütte meines damaligen Chefs. Auf die Qualität meiner Arbeit hat sich das nicht ausgewirkt, eher auf meine Anwesenheit in der Schule. Ich dachte mir oft: Bei der Arbeit kann ich nicht fehlen, in der Schule am Vormittag schon.
Anfangs waren für mich vor allem Aufgaben wie der Wareneinkauf und Teile der Buchhaltung ungewohnt. Insgesamt verlief die Übernahme aber zum Glück recht reibungslos, weil ich bereits im Herbst davor die Geschäftsführung übernommen hatte. So konnte ich ein halbes Jahr lang ausprobieren, wie alles funktioniert, und bis zur endgültigen Übernahme nach und nach fast alle Aufgaben selbst übernehmen.
Früher hat mir die Möglichkeit gefehlt, auch vormittags da zu sein und selbst nachzuschauen, ob alles passt. Jetzt kann ich das. Natürlich habe ich vollstes Vertrauen in meine Angestellten, trotzdem bin ich gerne selbst vor Ort.
Die Stammgäste kannten mich zum Glück bereits und waren deshalb auf die Übernahme eingestellt. Bei anderen Gästen oder Tourist:innen ist das oft anders: Wenn sie nach dem Chef fragen und ich sage, dass ich es bin, halten sie das zunächst meist für einen Scherz. Und selbst wenn sie mir glauben, gehen manche sofort davon aus, dass ich das Café von meinen Eltern bekommen habe. Das ist eigentlich das Einzige, was mich daran stört, denn die Ablöse habe ich mit meinem selbst verdienten Geld bezahlt.
Mich reizt vor allem, dass ich den ganzen Tag in einem sozialen Umfeld bin und mich ständig mit Menschen austauschen kann – mit meinen Angestellten ebenso wie mit den Gästen. Es macht mich wahnsinnig glücklich, wenn ein Gast zufrieden geht und lachend sagt: Das war super da. Besonders motiviert mich, wenn jemand zum ersten Mal kommt, weil er von anderen gehört hat, wie gut es bei uns ist, und anschließend genauso zufrieden hinausgeht. Solche Rückmeldungen treiben mich jeden Tag aufs Neue an.
Mein Anspruch an die Qualität ist sehr hoch. Wenn wir ein Kaffeehaus sind, möchte ich den besten Kaffee in Radstadt anbieten. Wenn ich sage, dass wir alle Kuchen selbst machen, dann sollen es auch die besten Kuchen sein. Und wenn wir im Sommer viel Eis verkaufen, soll es das beste Eis sein. Ich möchte nicht, dass jemand zum Nachbarn geht, weil der Kaffee dort besser ist. Wer ein Kaffeehaus führt, sollte den Anspruch haben, in seinem Bereich der Beste in der Stadt zu sein. Sonst braucht man es gar nicht erst zu machen.
Die City Lounge soll weiterwachsen. Ich möchte, dass noch mehr Menschen zu uns kommen und wissen, dass wir das ganze Jahr über an sieben Tagen pro Woche geöffnet haben. Vielleicht gibt es irgendwann eine zweite City Lounge oder ein ähnliches Konzept, aber dafür ist es jetzt wohl noch etwas zu früh. Vor allem wünsche ich mir, dass jeder, der von schlechtem Service genervt ist, einmal zu uns kommt und sich vom Gegenteil überzeugen lässt. Jeder einzelne Gast soll zufrieden hinausgehen.
Vielen Dank für das Gespräch.
Seit 1. Juni 2026 führt Alexander Ellmer die City Lounge in Radstadt. Das Café bietet Frühstück und kleine Speisen sowie Kaffee, Tee, Kuchen, Waffeln und Eis an. Cocktails und weitere Getränke ergänzen das Angebot. Im Innenbereich stehen rund 40 Sitzplätze zur Verfügung, auf der Terrasse weitere 50.
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