Von der Weinlese bis zu Verkostungen: Am Weingut Nothnagl im niederösterreichischen Spitz wird Familienarbeit großgeschrieben. Christian Nothnagl führt den Betrieb zusammen mit seinen Eltern Anton und Sabine heute in dritter Generation – mitten im Weltkulturerbe Wachau.
Am Weingut Nothnagl in Spitz ist vieles Handarbeit – und fast alles Familiensache. Seit drei Generationen wird hier, im Herzen der Wachau, Wein angebaut: zwischen Rebzeilen, alten Mauern und mit Blick auf die Donau. Der Rondellenhof, der geschichtsträchtige Teil des Guts, prägt das Ortsbild der Marktgemeinde seit 1872. „Mit dem Weinbau begonnen haben aber erst meine Großeltern um 1950, damals noch auf rund drei Hektar und mit nur wenigen Weinen im Sortiment“, erzählt Christian Nothnagl. „Richtig durchgestartet sind dann meine Eltern.“ Über die Jahrzehnte ist der Betrieb Schritt für Schritt gewachsen. Mittlerweile bewirtschaftet die Familie rund elf Hektar Rebfläche und produziert etwa 20 verschiedene Weine. Tradition, Bodenständigkeit und die Liebe zum Wein prägen das Weingut aber bis heute.
Dass hier Generationen zusammenarbeiten, zeigt sich überall. Christian Nothnagl ist im Betrieb aufgewachsen – und für ihn kam nie etwas anderes infrage. „Für mich stand immer fest, dass ich später Winzer werde“, sagt er. Den besonderen Reiz macht für ihn bis heute die abwechslungsreiche Arbeit aus: vom Weingarten über den Keller bis ins Lager. Unterstützt wird er dabei von seinen Eltern, einem Onkel und wenn zusätzliche Hilfe gebraucht wird, auch von seiner Schwester sowie Freunden.
Dieser familiäre Zusammenhalt wird besonders während der Weinlese im Herbst sichtbar. Dann packen bis zu zehn Personen mit an, schließlich wird in der Wachau alles von Hand gelesen, jede Traube einzeln geerntet. „Uns ist wichtig, dass das Gemeinschaftliche erhalten bleibt“, betont Nothnagl. Gemeinsame Mittagessen gehören während der Weinlese deshalb genauso dazu wie lange Arbeitstage, wenn das Wetter passt und jede Stunde zählt. Denn neben der Freude an der Arbeit in der Natur brauche es vor allem bei der Lese handwerkliches Geschick, Zusammenhalt und Durchhaltevermögen.
Im Glas setzt das Weingut Nothnagl heute ganz auf Weißwein – und auf die Vielfalt der Wachau. Grüner Veltliner, Riesling und Gelber Muskateller bilden das Herzstück des Sortiments. Bereits vor rund 20 Jahren entschied sich die Familie bewusst für einen klaren Kurswechsel: weg vom Rotwein, hin zu einem reinen Weißweinbetrieb – passend zur Region und den veränderten Nachfragegewohnheiten. Vor allem der leicht süßliche Muskateller hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen, wie Nothnagl weiß: „Ohne den Muskateller würde es fast nicht mehr gehen.“
Ausgebaut werden die Weine in den Wachauer Qualitätsstufen Steinfeder, Federspiel und Smaragd. „Jeder Weingarten ist anders“, erklärt der Experte. Denn Lage und Boden prägen den Charakter der Weine entscheidend: Rund um Spitz reichen die Böden von Löss und Lehm bis zu steinigen, mineralischen Lagen, die den Weinen ihre typische, spritzig-fruchtige Frische und Mineralität verleihen.
So vielseitig wie die Weine ist auch der Alltag am Weingut. Vormittags werden Bestellungen vorbereitet, der Ab-Hof-Verkauf betreut oder Arbeiten im Keller erledigt. Danach geht es hinaus in den Weingarten – aktuell etwa zur Laubarbeit. „Während der Weinlese verschiebt sich der Fokus: Dann bestimmt der Rhythmus der Ernte den Tag“, so der Winzer.
Neben dem Weinbau setzt Familie Nothnagl bewusst auf Gastlichkeit. Drei Doppelzimmer stehen Gästen von April bis Oktober zur Verfügung – mitten in der Weinlandschaft der Wachau. Auch Verkostungen werden am Rondellenhof – im eigenen Verkostraum – angeboten. Und obwohl es seit 2013 keinen Heurigen mehr gibt, bleibt die Familie in der Region präsent – etwa bei gemeinsamen Veranstaltungen der Wachauer Winzer:innen, darunter die Wanderung „Klingende Rieden“, die Rollfähre „Uferlos“ oder der „Spitzer Weinherbst“.
Stillstand gibt es am Weingut Nothnagl kaum, weder rund um Gastlichkeit und Veranstaltungen noch im Weinbau selbst. Denn auch in der Wachau verändern sich die Bedingungen spürbar. Hagelereignisse, längere Trockenperioden und frühere Vegetationsphasen stellen Winzer:innen zunehmend vor Herausforderungen. „Früher hat das Wachstum Anfang Mai begonnen, heute oft schon Mitte April“, schildert Nothnagl. Damit steigt auch das Risiko von Spätfrösten. Die Antwort darauf liege vielfach in der Zusammenarbeit. „Zum Glück haben wir bei 99 Prozent unserer Weingärten eine Bewässerung.“ Dank der Bewässerungsgenossenschaft Spitzer Graben, die Wasser aus der Donau entnimmt, seien die Trockenphasen leichter zu bewerkstelligen. Auch beim Hagelschutz setzt man in der Region auf Gemeinschaft – etwa durch Hagelflieger.
Doch nicht nur im Weingarten braucht es neue Lösungen: Mit den veränderten Bedingungen wachsen auch die Anforderungen an Infrastruktur und Verarbeitung. Je nach Jahrgang werden am Weingut Nothnagl zwischen 75.000 und 90.000 Liter Weißwein abgefüllt. „Das hängt immer davon ab, wie ertragreich ein Jahr ist“, so Nothnagl. Um die Trauben auch bei wechselhaftem Wetter zuverlässig verarbeiten zu können, entschied sich die Familie vor einigen Jahren für den Bau eines neuen Presshauses. Da Gemeinschaft und Wetterunabhängigkeit in Spitz auch bei der Abfüllung mitgedacht werden, setzen die Weinbauern aus der Region auf eine gemeinsame Füllanlage.
Und welchen Wein trinkt der Winzer nach getaner Arbeit selbst am liebsten? „Eigentlich alle“, sagt Nothnagl. „Wenn ich aber wählen müsste, dann greife ich persönlich gerne zum Grünen Veltliner, bevorzugt als Federspiel aus den Rieden Steinporz, Burgberg oder Axpoint.“
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