Die Hahnenkammrennen in Kitzbühel zählen zu den wichtigsten Skisportevents des Jahres. Die schwerste Abfahrt der Welt endet quasi im Garten von Signe Reisch. Sie betreibt seit Jahrzehnten den Rasmushof. Im Interview erzählt die Kitzbühelerin von ihren Erfahrungen, den Herausforderungen und was die Rennen für sie und das Hotel bedeuten.
An den Renntagen haben wir vor dem Haus eine Bar mit DJs. Im Hotel selbst ist es besonders spannend, weil gleichzeitig vieles passiert: Wir haben eine Runde rund um Marc Girardelli im Weinkeller, eine Gruppe von einer Versicherung in der Halle und mehrere Gruppen im Restaurant und Wintergarten. Am Freitag feiert die ÖVP ihren Einkehrschwung mit rund 350 Gästen. Und was sehr aufregend ist: Am Sonntag haben wir die Slalomläufer im Hermann-Reisch-Saal – das sind mit ihren Teams und Betreuern zwischen 200 und 300 Personen.
Ein Leitspruch von mir ist: Die Heimat gibt, also muss man der Heimat auch etwas zurückgeben. Das Hahnenkamm-Wochenende gibt der Region viel, also ist man auch verpflichtet, etwas beizutragen. Von Donnerstag bis Sonntag versorgen wir noch zusätzlich rund 160 Personen von den Blaulichtorganisationen.
Für mich ist es die fünfte Jahreszeit. Ich verbinde die Hahnenkammrennen mit Freunden, mit wiederkehrenden Gästen – auch mit bekannten Persönlichkeiten. Und mit diesem Gefühl am Sonntagnachmittag, wenn man sagen kann: Wir haben es wieder geschafft. Es ist die Atmosphäre, die Spannung – einfach etwas ganz Besonderes. Wenn jemand sagt, das Rennen sei furchtbar wegen der vielen Leute, dann sage ich: Man muss es einmal gesehen und erlebt haben. Wenn zum Beispiel die Guggamusik hereinspaziert, das gehört einfach dazu. Auch der Aufbau ist spannend. Heuer habe ich zum Beispiel zufällig gesehen, wie nachts ein Formel-1-Wagen für das VIP-Zelt über den Schnee heruntergezogen wurde. Solche kleinen Geschichten bekommt man mit – das ist faszinierend.
Es ist schon etwas Besonderes. Wir sind mittendrin und erleben alles hautnah mit. Das ist wirklich toll, aber natürlich hat es, wie alles im Leben, auch seine zwei Seiten. Man darf nicht vergessen, wir sitzen praktisch vier bis fünf Wochen, mitten im Winter, in einer Baustelle, weil das VIP-Zelt und die Tribünen direkt neben uns aufgebaut werden. Dass die Streif bereits Wochen vor den Rennen gesperrt ist, davon sind auch einige Gäste nicht begeistert und weniger Gäste kehren bei uns ein. Aber das ist halt so – das weiß man und nimmt es gerne in Kauf.
Nach dem Hahnenkammrennen ist vor dem Hahnenkammrennen. Es gibt immer eine große Nachlese sowie Verbesserungen für den Skiclub, unseren Betrieb und den Ort insgesamt.
Mit den Jahren hat sich vieles verändert und auch verbessert, aber es gibt das ganze Jahr über etwas zu tun.
Natürlich genießt man es. Die Organisation als solche ist ja abgeschlossen. Der Einkauf für Küche und Keller ist erledigt, jeder weiß, was zu tun ist. Es sind ehemalige Mitarbeiter:innen und Praktikant:innen im Einsatz; statt der sonstigen 50 Mitarbeiter:innen sind wir fast doppelt so viele. Meine Assistentin, Verena Seeber, ist das ganze Jahr über unter anderem für die Reservierungen zuständig, damit nichts schiefgeht oder durcheinanderkommt. Sie erstellt für die Renntage 125 Function Sheets, die wir dann von Donnerstag bis Sonntag abarbeiten. Natürlich hilft man überall mit und geht nicht mit leeren Händen von einem Tisch weg – aber das tut man gern. Es muss einfach gut organisiert sein, dann läuft es rund und zur Zufriedenheit der Gäste. Bei so vielen Menschen im und rund ums Hotel läuft es im Großen und Ganzen fröhlich, gesittet und routiniert – ganz nach dem Motto „Happy Hahnenkamm“.
Ja, mindestens fünf Jahre im Voraus – dann ist ein Zimmer in der Regel garantiert.
Die 49 Zimmer sind größtenteils einzeln belegt, das ist nicht so schlimm. Allerdings bewegen sich durch die Veranstaltungen, den Restaurantbetrieb, die Bar vor dem Haus, die Slalomläufer im Hermann-Reisch-Saal und den Gästewechsel an einem Rennwochenende rund 1.000 Personen pro Tag im Haus – ein ständiges Kommen und Gehen.
Man muss sehr konzentriert und fokussiert sein. Ich sage immer: ein bisschen Feldwebel mit Herz. Am Sonntagnachmittag ab 15:00 Uhr, also während des zweiten Durchgangs des Slaloms, kommen bereits die neuen Gäste, und das Haus ist wieder voll belegt. Das ist wahrscheinlich die größte Herausforderung. Da muss alles wieder so aussehen und ablaufen wie im Normalbetrieb.
Es gibt immer besondere Momente. Natürlich kann man nicht alles erzählen. Es ist wirklich schön, wenn der Sieger hereinkommt und seine Trophäe zeigt. Wenn man die Slalomläufer verpflegen kann und weiß, dass einer von ihnen die Gams mit nach Hause nimmt, oder wenn die Organisation gut verläuft. Besonders freut es mich, wenn es – wie in diesem Jahr – keine schweren Stürze oder Verletzungen gibt und die Rettung nicht wirklich zum Einsatz kommen muss. Und wenn das Wetter schön ist, ist das auch die halbe Miete für den Veranstalter Kitzbüheler Ski Club, die Werbepartner, TV-Teams und natürlich für uns. Ich sage immer: Die Hahnenkammrennen sind wichtig für Kitzbühel, für Tirol, für Österreich und für den Skisport insgesamt. Sie sind hart erarbeitet und werden von vielen Menschen getragen. Man muss froh sein, dass es diesen Zusammenhalt gibt und dass der Ort das jedes Jahr so wunderbar über die Bühne bringt.
Vielen Dank für das Gespräch.
Zur Person:
Signe Reisch ist 70 Jahre alt und führt seit 52 Jahren den Rasmushof in Kitzbühel – eine Wirtin aus Leidenschaft, wie sie selbst sagt.
Die Hahnenkammrennen verfolgt die gebürtige Kitzbühelerin bereits seit ihrer Kindheit. Neben ihrer Tätigkeit im Hotel war Reisch mehrere Jahre Präsidentin von Kitzbühel Tourismus und des Museum Kitzbühel Fördervereins. Eurogast Sinnesberger beliefert den Rasmushof bereits seit etlichen Jahren.
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